aa Evangelische Kirchengemeinde St. Tönis
Evangelische Kirchengemeinde St. Tönis


BONJOUR LA FRANCE
Oder: Gottes Liebe kennt keine Grenzen

Petra Georg, Juni 2012

Wir befinden uns auf der Rückreise von Le Mans nach St. Tönis und lassen ein wunderschönes, erlebnisreiches Wochenende Revue passieren. Unsere Köpfe verarbeiten die vielen anregenden Gespräche, unsere Herzen sind berührt von der Offenheit und Gastfreundschaft, die uns in Le Mans entgegengebracht wurden, und unsere Mägen sind noch gut gefüllt mit französischen Delikatessen.

Anlass unserer 4-tägigen Reise (1. - 4. Juni) war die Absicht, eine Partnerschaft mit der evangelischen Kirchengemeinde in Le Mans zu begründen. Basis dieser Partnerschaft sind familiäre Verbindungen zwischen Mitgliedern beider Gemeinden. Die evangelische Kirchengemeinde in Le Mans befindet sich mit nur 500 Mitgliedern in der Diaspora im katholisch geprägten Frankreich und wünscht sich Kontakte zu weiteren Protestanten, auch über die eigene Landesgrenze hinaus.

Im Anschluss an eine längere Planung machten sich unsere Pfarrerin Daniela Büscher-Bruch, Marcus Wetter (Presbyter und Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses), Hannelore von Kneppenberg (Ehrenamtlerin) und Petra Georg (Mitglied des Partnerschaftsausschusses) für eine erste Kontaktaufnahme  auf den Weg. Nach 9-stündiger Autofahrt nahmen uns die französische Pfarrerin Agnès Lefranc und 5 weitere Presbyterumsmitglieder freundlich in Empfang, bevor wir dann auf unsere Gastfamilien aufgeteilt wurden.

Jeder einzelne von uns war überwältigt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die wir an diesem ersten Abend und jeden weiteren Tag erleben durften. Wir wurden kulinarisch verwöhnt und wir spürten ein großes Interesse an allem, was unsere Religion, unseren Glauben und unser Gemeindeleben betrifft. Die Atmosphäre zwischen unseren Gastgebern und uns war schnell „très amicale“ und „chaleureuse“, also herzlich, warm und offen.

Samstagvormittag fand ein außerordentliches Treffen zwischen den Presbytern, der Pfarrerin (sie ist nicht Mitglied des Presbyteriums) und uns Gästen statt. Franzosen und Deutsche stellten sich alle  persönlich vor und berichteten von ihren Gemeindeaktivitäten. Es fand ein reger Austausch statt, bei dem beide Seiten einige Anregungen für das eigene Gemeindeleben aufgenommen haben. Sprachliche Probleme gab es übrigens „pas du tout“: einige der Franzosen verfügten über gute bis sehr gute Deutschkenntnisse (teilweise sind sie sogar gebürtige Deutsche) und unsere Französischkenntnisse wurden sehr gelobt. In schwierigen Situationen half uns unser wandelndes Wörterbuch Marcus weiter, „un jeune homme, qui parle extrêmement bien le français“, wie die Franzosen schwärmten.

Dass sich an dieses Treffen ein ausgiebiges Mittagessen in großer geselliger Runde anschloss, haben Sie wahrscheinlich ohnehin schon erwartet. Anschließend übernahm ein Gemeindemitglied eine historische Führung durch die bezaubernde Altstadt von Le Mans und deren berühmte Kathedrale. Abschluss des Tages bildete ein klassisches Konzert in einer alten Abtei.

Sonntagmorgen fand der offizielle Höhepunkt unseres Zusammentreffens statt: ein gut besuchter deutsch-französischer Gottesdienst.

Eine freudige Spannung und Neugier auf das, was wohl kommen würde, lag in der Luft. Nach der Begrüßung durch Agnès Lefranc und den Gesang französischer Kirchenlieder gab es Lesungen in deutcher und französischer Sprache. Die Predigt über 1. Johannes 4 wurde von Daniela Büscher-Bruch gehalten und gedolmetscht von Marcus Wetter. Alle Zuhörer lauschten gebannt und unsere Pfarrerin erhielt anschließend viel Lob für ihre gelungene Predigt. Das gemeinsame Abendmahl, das an jedem 1. Sonntag im Monat stattfindet, war ein weiterer Höhepunkt des Gottesdienstes. Nach dem Gottesdienst gab es bei einem Empfang die Gelegenheit, Kontakte zu weiteren Gemeindemitgliedern aufzunehmen. Die Offenheit und das Interesse uns gegenüber war wieder einmal groß.

Nicht überraschen wird Sie sicherlich, dass es mittags ein köstliches Menü in geselliger Runde in einem weiteren französischen Privathaushalt gab. Man servierte Spezialitäten der Region. Ein ausgiebiger Verdauungsspaziergang im Sonnenschein entlang der Sarthe tat richtig gut!

Abends fand das letzte Zusammentreffen aller Gastgeber und Gäste in einem weiteren Privathaushalt statt. Wieder gab es (neben Beweisen der französischen Koch-kunst) intensive Gespräche über geschichtliche, politische und theologische Themen. Die offene und direkte Art der Franzosen, mit uns ins Gespräch zu kommen, hat uns alle sehr angerührt. Unsere Gespräche waren alles andere als oberflächlich und sie waren ein persönlicher Gewinn für alle Beteiligten.

Bon. Et alors? Dieses Wochenende war ein besonderes Geschenk, eine Bereicherung. Wir wollen uns natürlich bei unseren Gastgebern revanchieren und den Kreis der teilnehmenden Gemeindemitglieder auf unserer Seite erweitern. Deshalb haben wir eine Einladung für das folgende Jahr ausgesprochen. Sehr gerne würden wir auch ein Treffen „entre les jeunes“, also für unsere Jugendlichen organisieren. Der Grundstein ist gelegt und sobald es konkrete Pläne/Termine gibt, werden wir Sie an dieser Stelle informieren.

Bis dahin, amicalement, Petra Georg


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