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Predigttexte zum nachlesen und Besonderheiten

Osternacht 2020

 

Rückblick auf die Osternacht

Ostern 2020 werden wir alle wohl nie vergessen.
Keine Gottesdienste in der Karwoche, keine Osternachtfeier und kein Osterfeuer, kein Fastenbrechen und kein Abendmahlsgottesdienst an Ostern.
Und doch waren viele von Ihnen mit dabei, als wir diese Zeit mit Online-Gottesdiensten überbrückt haben, die kleinen Osterkerzen verteilt und in der Osternacht in häuslicher Umgebung in den Fenstern zum Leuchten brachten. Einige Fenster haben wir fotografiert und als Collage zusammengestellt, wie Sie hier sehen können.
Dieses Zeichen der Verbundenheit und der Gemeinschaft hat viele von Ihnen erreicht und bewegt. Rückmeldungen und Dankesbriefe haben uns das bestätigt. Schön, dass Sie dabei waren und weiterhin auch mit uns im Kontakt bleiben.
Übrigens, alle Online-Kurzgottesdienste wurden von wesentlich mehr Menschen gesehen, als sonst in der Kirche sind. Allein das Ostervideo wurde mehr als 650 Mal angeschaut.
Vielleicht sollten wir dieses Format auch später ab und zu nutzen?
Aber ich denke, wir freuen uns alle umso mehr schon jetzt auf Ostern 2021! Hoffentlich sehen und feiern wir dann wieder gemeinsam in der Kirche und am Osterfeuer.

Ihre Pfarrerin Daniela Büscher-Bruch


Predigt vom 15.03.2020 - Okuli - Lukas 9,57-62

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm:
Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.


Liebe Gemeinde!

Zu Jesus zu gehören, sich ihm anzuschließen, ist eigentlich nicht schwer. Wir haben es eben gesehen, wie das geht, in der Taufe von Maleen.

Immer wenn wir ein kleines Kind taufen wird sichtbar, was wir glauben: Gott nimmt uns an, und zwar so wie wir sind, ohne eigenen Verdienst. Er schenkt uns von Anfang an seine ganze Liebe, seine Kraft, seine Gnade und das ewige Leben. All das gibt es umsonst, kostenlos also.

Darüber hat Jesus nicht nur gepredigt, sondern er hat es auch selber gelebt. Bei ihm waren alle herzlich willkommen, auch und gerade diejenigen mit einem vielleicht zweifelhaften Ruf: Prostituierte z.B. und korrupte Zolleinnehmer.

Und auch zu seinem engsten Kreis gehörten Männer und Frauen mit z.T. problematischen Lebensgeschichten.

Großzügig und warmherzig hat er sie alle eingeladen mit Worten wie diesen: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben….Das Joch, das ich euch auflege, ist leicht, und was ich von euch verlange, ist nicht schwer zu erfüllen.“ (Hoffnung für alle)

Ganz anders aber klingen die Worte Jesu in unserem Predigttext, den Sie soeben in der Lesung gehört haben. Schon allein die Überschrift in der Lutherübersetzung über diese Perikope schlägt einen schärferen Ton an, wenn es dort heißt: Vom Ernst der Nachfolge!

Was wir dort lesen und hören, irritiert und erschrickt uns. Ist das wirklich Jesus, der das sagt, als ihm unterschiedliche Menschen nachfolgen wollen? Dem ersten, der ihm nachfolgen will antwortet er:
Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

Bei dem zweiten, reagiert Jesus noch unverständlicher für unsere Ohren, denn er verlangt von ihm, dass er nicht einmal mehr seinen Vater beerdigen darf, wenn er sich ihm jetzt anschließt. Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

Und einem dritten untersagt Jesus, sich bei seiner Familie zu verabschieden, wenn er ihm folgen will.
Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Was sind das für verstörende Worte Jesu? Mich erschrecken sie in ihrer Radikalität und Kompromisslosigkeit. Da ist nichts von dem zu erkennen, was wir sonst von Jesus gewohnt sind, keine Barmherzigkeit und keine Nachsicht.

Als ich zu Beginn der letzten Woche anfing mich mit diesem Text zu beschäftigen, dachte ich zuerst, ich kann diesen Text in dieser Zeit nicht predigen. Die Menschen brauchen eher Zuspruch im Sinne des anderen Textes, den ich vorhin zitiert habe und nicht eine solche harte Forderung, wie Jesus sie im heutigen Predigttext von denen verlangt, die ihm folgen sollen.

Aber dann vermischten sich im Laufe der Woche die Bilder und Entwicklungen in dieser Welt mit den scharfen Jesusworten und entwickelten in mir neue Denkweisen, die mir halfen, den Text besser zu verstehen:

1. Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Jesus spricht von sich selbst:
Er hat seine Entscheidung getroffen; für das Heil aller Menschen  verlässt er jede Bequemlichkeit und Sicherheit um sich radikal für das Reich Gottes einzusetzen. Und dann sehe ich zu diesem Gedanken die vielen Bilder von Menschen vor der griechischen Grenze in den Nachrichten, Kinder und Eltern, die in völlig überfüllten Lagern unter katastrophalen Umständen auch heimatlos, ohne Bett und ohne Wärme draußen auf dem nackten Boden schlafen müssen. Sie sind zur Flucht gezwungen worden. Ohne Plan und ohne Sicherheiten leben sie jetzt dort in menschenunwürdigen Verhältnissen. In ihnen entdecke ich diesen Jesus wieder, der uns mahnt hinzuschauen und zu helfen, um Ernst zu machen mit dem Reich Gottes für alle auch in dieser Zeit.

Wer Jesus heute wirklich nachfolgen will, darf es sich auch heute nicht bequem machen und alle Risiken erstmal ausschließen bis er handelt.  Manchmal drängt eben auch heute die Zeit und wir müssen uns schnell entscheiden und Wege finden, wie wir denen helfen können, die unsere Hilfe dringend brauchen.

2. Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Jesus spricht diesen Satz ebenfalls aus eigener Betroffenheit. Wenn wir den Kontext lesen, in dem der Predigttext im Lukasevangelium eingebettet ist, geht es um den letzten Weg, den Jesus jetzt gehen wird. Er ist auf dem Weg nach Jerusalem und weiß, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Denn diejenigen, die seinen Tod wollen, warten schon auf ihn. Er wünscht sich jetzt Weggefährten, die die Zeichen der Zeit erkennen und ihn nicht im Stich lassen, jetzt wo es darauf ankommt. In solchen Krisenzeiten bleibt dann auch keine Zeit mehr sich zuerst noch um andere Dinge zu kümmern. Sich Ausreden einfallen zu lassen, warum man nicht von jetzt auf gleich alles stehen und liegen lassen kann um das zu tun, was jetzt wirklich notwendig ist!

In diese Gedanken mischen sich die Nachrichten der beiden letzten Tage: Krisensitzungen in beinahe allen Parlamenten Europas. Krisensitzungen in unserem Land: Man hat es kommen sehen und dennoch immer noch so getan, als könnte man es noch hinausschieben. Die ernsten und verschärften Maßnahmen der Regierung um der Pandemie Herr zu werden.
Jetzt sind sie da. Die Schulschließungen und Absagen von allen kulturellen und sportlichen Veranstaltungen. Und: das Verbot, unsere Angehörigen in Pflege und Altenheimen zu besuchen und Krankenbesuche auf ein Minimum zu reduzieren. Soziale Kontakte zu meiden.

Also genau das, was Jesus in seinen scharfen Worten in unserem Predigttext fordert.

Vielleicht waren es damals auch für ihn katastrophale Umstände, die er in den Städten und Dörfern unter den Menschen wahrgenommen hat, die keinen Aufschub mehr erlaubten.  Denn ihm selbst, ihm lief die Zeit weg. Gerade um der Rettung aller Menschen willen, verschärfte dann auch er damals die Maßnahmen.

Denn alleine darum geht es ja auch jetzt bei uns hier im Land: Die Rettung der Menschen in den Blick zu nehmen.  Und zwar damals wie heute besonders die Schwachen zu schützen, die alten und kranken Menschen, diejenigen, die schon mit anderen Erkrankungen vorbelastet sind.

In solchen Krisenzeiten müssen offenbar auch schmerzhafte Entscheidungen getroffen werden um das Ziel der Rettung möglichst aller zu erreichen.

Dabei braucht es in ganz besonderer Weise nun unsere ganze Kreativität und Solidarität untereinander um uns trotzdem innerlich nah zu sein und uns gegenseitig zu helfen.

Und gerade wir als Christinnen und Christen werden jetzt gebraucht, wenn es darum geht, Menschen, die wegen bestimmter Maßnahmen scheinbar isoliert sind, besonders in den Blick zu nehmen und Wege zu finden, wie wir Kontakte halten können. Gerade jetzt sind die neuen Medien eine gute Möglichkeit, dies auch zu tun.
Auch wir als Kirchengemeinde sind gefordert füreinander zu beten und Alternativangebote zu machen um bei den Menschen zu sein, die sich Sorgen machen und Ängste haben.

Auch wir müssen unsere Arbeit in vielen Bereichen sofort, also von jetzt auf gleich im Sinne Jesu, umstellen um in dieser Zeit verantwortlich, besonnen aber auch beherzt für die Gemeinde da zu sein.
Schauen Sie bitte täglich auf unserer Homepage nach, wo wir Sie über unsere Angebote auf dem Laufenden halten.

Ja, Jesus nachzufolgen kann auch schon mal eine Herausforderung sein, wenn es Umstände gibt, die keine Spielräume mehr zulassen.

Tröstlich ist, dass es jetzt allen so geht. Und diese einheitliche Betroffenheit zu teilen und dadurch neu zu lernen, wie angewiesen wir doch alle aufeinander sind, hat für mich deshalb auch eine bereichernde Dimension, in der wir das Reich Gottes gerade jetzt auch einen Hauch spüren können.

Und ich denke angesichts des sperrigen Predigttextes von heute am Ende dieser Predigt auch an Jesu Abschiedsworte, die er als Auferstandener zu seiner Jüngerschaft sagte. Einer Jüngerschaft, die ihn zwischendurch fast komplett im Stich gelassen hatte, als Jesus verurteilt und gekreuzigt wurde:
Gerade Ihnen sagte er am Ende wieder ganz versöhnlich und nachsichtig:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt!“

In der Taufe erinnern wir uns an diese Zusage. Und so können auch wir uns in dieser Krisenzeit festmachen an diesem Glauben, dass Jesus gerade jetzt mit uns geht in diese Zeit der Ungewissheiten.
Amen.

Pfarrerin Daniela Büscher-Bruch